Schnelle Nummern!
Ja, wir sind alle Gourmets! Wir raspeln Pecorino über unsere Penne, benutzen Fleur de Sel und mörsern Kardamom. Außer wir sind müde und hungrig und haben keine Lust. Dann geht es in die Tiefen des ewigen Eises ...
(David Lins/Sonja Pfeiffer)
Teil 1: Schlemmerfilet Bordelaise
Wenn man überhaupt keine Lust hat zu kochen, kommt gerne das Schlemmerfilet à la Bordelaise ins Spiel. Schlemmerfilet à la Bordelaise, das ist eine winzige Aluschale Fisch mit Schlamm obendrauf, bei dem man sich immer fragt, ob der eigentlich in Wirklichkeit nicht eine knusprige Kruste sein müsste. Während die kleine Schale im Ofen heiß wird, gefriert die Zeit. Über eine halbe Stunde muss der Schlammfisch im Ofen verweilen – deutschlandweit und pro Jahr hochgerechnet dürften Schlemmerfilets etwa so viel Strom verbrauchen wie ganz Luxemburg. Zudem verspeist man normalerweise aus Langeweile und Hunger in der Wartezeite eine Tüte Chips sowie zwei Schokoriegel. Nur ein Bruchteil der gekauften Schlemmerfilets wird wirklich gegessen, die meisten werden nur zubereitet.
Teil 2 "Backofenschweinereien" folgt in Kürze
Teil 2: Backofenschweinereien
Der Kessel Buntes. „Backofenschweinereien” beinhalten gleich eine ganze Palette Nahrungsmittel: Pommes, Backcamembert, Chickennuggets, Fischstäbchen oder etwas in Fußform, wobei man nicht genau sagen kann, ob es Fisch, Huhn oder etwas ganz anderes ist. Wichtig ist nur, dass man die Nahrungsteile tiefgefroren kauft, überhaupt keine Weiterverarbeitung stattfindet und alles innen glühend heiß ist. Besonders tödlich können „Plätzli“ sein, mit Käse, Pilzsauce oder Magma gefüllte Teigtaschen, die von außen völlig kalt sein können, im Inneren aber eine Höllenglut bergen.
Ein großer Teller Backofenschweinereien ist allerdings „Soulfood” erster Güte, glücklich machend und absolut kompatibel zu Fernsehen und Videospielen.
Teil 3: Pizza
Teil 3: Pizza
Der Klassiker schlechthin: Heimkommen nach aushäusigem Alkoholgenuss, Pizza in den Ofen, vor dem Fernseher einschlafen, verkohlte Pizza entfernen, Fenster öffnen, Feuerwehr beruhigen, zweite Pizza in den nun gut vorgeheizten Ofen schieben – deshalb werden Pizzen oft in Doppelpacks angeboten – und vor lauter Angst auch die zweite Pizza zu verlieren, vor dem Ofen verharren. Zweite Pizza zu früh entnehmen, halb gefroren essen und kauend mitten in einem Stück einschlafen. Nachts sich nach Möglichkeit auf dieses Stück legen und wälzen. Am Morgen behaupten, man wäre in eine Schlägerei mit Tomaten geraten. Auch schön: Einen Pizzarohling kaufen, dann stundenlang nachbelegen und verfeinern und schließlich in zwei Minuten runterschlingen.
Teil 4: Nudeln mit Tomatensauce
Teil 4: Nudeln mit Tomatensauce
Meist das erste wirklich selbst zubereitete Essen jedes Studenten. Zwingend notwendig dabei: Tomaten und Nudeln, alles andere ist frei verhandelbar, aber auch die Variante Spaghetti ohne Tomatensoße, dann mit Brühwürfel im Kochwasser existiert in Notzeiten. Schon Oma wusste, dass bewachtes Nudelwasser nicht kocht, kaum jedoch wendet man sich ab, kann man sich abmühen, um siedendes Nudelwasser vom Herd zu entfernen.
Im Prinzip würde man denken, man könne bei so einem einfachen Gericht nicht viel falsch machen, in der Realität jedoch können auch Nudeln mit Sauce ganz entsetzlich schmecken. Das sollte man im Fall des Falles dem Koch oder der Köchin nur sagen, wenn man kein sexuelles Interesse verfolgt.
Das Sandwich
Wenn’s mal schnell gehen muss und sogar die Muse fehlt, den Backofen anzuwerfen, dann ist das Sandwich die wohl beliebteste Variante. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und es ist zu jeder Tages und Nachtzeit angebracht, ein Sandwich zu essen. Der Klassiker wäre zwei Scheiben Toast, wahlweise mir Käse oder Fleisch belegt. Für die Genügsamen unter uns ist damit auch der Akt der Zubereitung vollbracht und man kann sich zurückziehen oder je nach dem wie groß der Hunger ist, nach dem Verzehr in zwei Bissen alle 5 Minuten ein neues kredenzen. Jedoch hat sich spätestens seit der weltweiten Verbreitung von Subway so etwas wie ein Sandwichbauwettbewerb in heimischen Küchen entwickelt. Größer, dicker, matschiger ist die Devise. Das individuell perfekte Sandwich nimmt geraume Zeit in Anspruch und die Variationen sind ganz nach dem was der Kühlschrank hergibt unterschiedlich. Sortenweise Käse, Eier, Gemüse, Wurst und dann natürlich nach jeder Lage eine andere Soße. Aus Stabilitätsgründen kann das Sandwich auch um einen Toast in der Mitte erweitert werden. Ist das Kunstwerk nach einer halben Ewigkeit vollbracht, blickt man stolz in den dezimierten Kühlschrank und auf den Berg Rohkost aus dem an allen Ecken etwas heraushängt oder trieft. Die schwierigste Aufgabe kommt aber erst jetzt – das Essen. Denn im Wahn des Belegens hat man vergessen, dass das Ding auch noch in den Mund passen muss und bereits beim ersten Bissen quillt vorne und hinten der gesamte Inhalt heraus. Erfahrene Sandwich-Esser wussten das natürlich vorher und haben sich entsprechend mit Küchenrolle ausgestattet.
Der Ofenkäse
Der Ofenkäse ist eine etwas neuere Erscheinung auf dem Markt der Feucht- und Fertiggerichte, kann aber konkurrenzlos mithalten mit Ravioli und Co. Nach 10 Minuten im Ofen hat er eine herrliche Kruste und ist im Inneren cremig zartschmelzend. Laut Vertreiber lassen sich in der Zeit schmackhafte Salate und Brotvariationen zubereiten und schließlich sitzt die gesamte Familie bei Wasser und Wein um ihr Käsefondue in dem kleinen, adretten Holzschälchen. Ja, nur hat die Firma nicht mit der verdeckten Zielgruppe gerechnet und mit deren Zerstörungspotential – der Student. Hat dieser den Käse in den Ofen geschoben, bleibt keine Zeit für beschauliche Vorbereitungen, da die Kruste zu Verbrennungen neigt, das Innere des Käses jedoch unschön hart bleibt, wenn er zu früh aus dem Ofen entfernt wird. Hat man es geschafft, den Käse angemessen zuzubereiten, kann man hineindippen, was man finden kann. Dank der Konsistenz des Käses bleibt er an allem kleben und wird auch recht schnell kalt. Zur Not tut’s also auch der Finger. Wenn man am Boden angekommen ist, sollte man beim Verzehr allerdings aufpassen, dass man das mediterran anmutende Holzschälchen nicht mitisst. Gut satt wird man auch ohne.














